Hang It Up

„Pop-Attacke: Englands Antwort auf die Krise“, titelte der Musikexpress und gemeint war das neue Album der Ting Tings. In dem Satz liegt utopische Wahrheit. Nach „We Started Nothing“ mitsamt der popfeministischen Hymnen „That`s Not My Name“ und „Shut Up And Let Me Go“ ging das Duo für das zweite Album in einen früheren Berliner Jazz-Club, das Album sollte „Kunst“ heißen, es verhieß auf der Lead-Single hübschen Synthie-Pop, die Band war unzufrieden. So viel also zum „kreativen Potenzial der Hauptstadt“. Nun ging es in eine kleine Stadt im Süden Spaniens, das Album heißt „Sounds From Nowheresville“, die Lead-Single ist ein „klappriges Rhythmus-Skelett“ (Plattentest) á la Gwen Stefanie, die Band ist zufrieden. Das mag jetzt nach keynesianischer Orthodoxie klingen, doch die Zukunft liegt nun mal in der Peripherie. Seit Anfang des Jahres okkupiert die spanische Single „Al Se Eu Te Pego“ die Pole Position der Charts und die Newcomer Casper und Kraftclub kommen zumindest aus dem Umfeld der west- und ostdeutschen Elendsgebiete. Eigentlich müssen die deutschen „Nur noch kurz die Welt retten“-Mauern fallen, doch Führungspositionen sind in der sozialen Marktwirtschaft leider geil. They All Like, What They See. Everybody Loves Somebody To Hate.